Durchblutung bei Hochdruck- und Normaldruckglaukom

Verbesserung der Regulation

Wenn wir bei einem Patienten annehmen, dass eine vaskuläre Dysregulation als Ursache für den Schaden mitverantwortlich ist, dann lohnt es sich, diese zu behandeln. Dies führt generell zu einer besseren Regulation der Durchblutung und verbessert insbesondere die Autoregulation im Auge. Das wiederum hat zur Folge, dass sowohl Augendruck- wie auch Blutdruckschwankungen besser vertragen werden. Eine solche Behandlung verbessert meistens auch das allgemeine Wohlbefinden und es hilft nicht nur den Augen, sondern auch anderen Organen. Wir dürfen nicht vergessen, dass eine vaskuläre Dysregulation nicht nur ein Risiko für ein Glaukom ist, sondern auch für andere Krankheiten, wie z.B. Hörstürze. Wir beschränken uns hier auf des Besprechen von Kalzium-Kanal-Blockern und Magnesium. Andere Therapien wie Triflusal, Akupunktur, traditionelle chinesische Therapie oder Ocufolin haben wir teils an anderer Stelle auf dieser Webpage, teils auf www.flammer-syndrome.ch besprochen.
Treatment of patients with Flammer Syndrome (FS) Die häufigste Ursache einer vaskulären Dysregulation, insbesondere im Kontext vom Glaukom, ist das Flammer-Syndrom. Am «1st Ocular Blood Flow Summit 2019» hat Flammer in einem Vortrag die Behandlung des Flammer-Syndroms besprochen. Weil ein sehr breites Interesse an diesem Inhalt bestand, hat Konieczka, die Organisatorin des Summit, diesen Vortrag zusammengefasst. Es geht u.a. darum, was diese Patienten meiden sollten, welche Ernährung für sie ideal ist und wann welche Medikamente zum Einsatz kommen.
Calcium channel blockers: their use in normal tension glaucoma Unter den Medikamenten zur Behandlung von Vasospasmen und von vaskulären Dysregulationen spielen die Kalzium-Kanal-Blocker eine zentrale Rolle. Sie hemmen den, u.a. durch Endothelin induzierten Einstrom von Kalzium in die Zellen.
In dieser Übersicht beschreiben Mozaffarieh et al. den Wirkungsmechanismus und den klinischen Effekt von Kalzium-Kanal-Blockern beim Normaldruck-Glaukom.
Short- and Long-term Effect of Nifedipine on the Visual Field in Patients with Presumed Vasospasm Gasser und Flammer waren die ersten, welche Kalzium-Kanal-Blocker, v.a. Nifedipin, in der Augenheilkunde eingesetzt haben. Auch aus historischen Gründen zeigen wir hier eine ihrer damaligen Arbeiten. Sie zeigt, dass sich bei Patienten mit Vasospasmen das Gesichtsfeld unter einer Nifedipin-Therapie verbessert. Diese Verbesserung kann schon nach einer Stunde beobachtet werden und hält, bei fortgesetzter Therapie, über mindestens 12 Monate an. Unterdessen haben wir gelernt, dass Nifedipin (und ähnliche Kalzium-Kanal-Blocker) bei sehr viel niedriger Dosis viel besser vertragen werden und trotzdem noch den gleichen verbessernden Effekt auf die Regulation haben.
Influence of nifedipine on the visual fields of patients with optic-nerve-head diseases Gaspar et al. haben den Effekt von Nifedipin auf das Gesichtsfeld bei verschiedenen Sehnerven-Krankheiten verglichen und gezeigt, dass die Wirkung von Nifedipin sehr unterschiedlich ist. Bei Patienten mit vaskulärer Dysregulation, mit oder ohne glaukomatöser Exkavation, verbesserte sich im Mittel das Gesichtsfeld, nicht aber z.B. bei einem Zustand nach AION. Die beobachtete Gesichtsfeldreversibilität war bei jüngeren deutlich besser als bei älteren Patienten.
Effects of Calcium Channel Blockers on the Response to Endothelin-1, Bradykinin and Sodium Nitroprusside in Porcine Ciliary Arteries Um zu verstehen, warum Kalzium-Kanal-Blocker die Durchblutung der Augen und damit das Gesichtsfeld verbessern, haben Meyer et al. Ziliararterien isoliert und den Effekt von Kalzium-Kanal-Blockern auf die Endothelin-induzierte Vasokonstriktion untersucht. Sie konnten zeigen, dass die Kalzium-Kanal-Blocker die Endothelin-induzierte Vasokonstriktion deutlich reduziert. Dagegen blieben die Endothel-abhängigen und Endothel-unabhängigen Vasodilatationen unverändert.
The lnfluence of Magnesium on Msual Field and Peripheral Vasospasm in Glaucoma Magnesium ist ein physiologischer Calcium-Kanal-Blocker. Deshalb können wir auch mit einem ähnlichen Effekt auf das Gesichtsfeld von Glaukom-Patienten rechnen. Gaspar et al. untersuchten zehn Glaukom-Patienten mit peripheren Vasospasmen. Nach vier Wochen Therapie mit Magnesium verbesserte sich der Blutfluss in den Nagelfalzkapillaren signifikant und die Gesichtsfelder zeigten tendenziell eine Verbesserung.
Modulation of endothelin-l-induced contractions by magnesium/calcium in porcine ciliary arteries Um den Effekt von Magnesium auf die Augendurchblutung zu verstehen, haben Dettmann et al. Ziliar-Arterien isoliert und gesehen, dass Magnesium, ähnlich wie ein Kalzium-Kanal-Blocker, die Endothelin-induzierte Vasokonstriktion hemmt. Die Endothel-abhängigen und Endothel-unabhängigen Vasodilatationen blieben unverändert. Deshalb nennt man Magnesium auch einen physiologischen Kalzium-Kanal-Blocker. Dies passt zur klinischen Beobachtung, dass Magnesium eine ähnliche Wirkung auf das Gesichtsfeld hat wie Nifedipin, nur deutlich schwächer.