Instabilität der Augendurchblutung

Eine konstante Reduktion der Durchblutung, wie wir es z.B. bei einer Karotis-Stenose sehen, wird vom Auge erstaunlich lange gut ertragen. Der Grund liegt in der Anpassungsfähigkeit der Zellen an eine tiefere Sauerstoffkonzentration. Schlecht ertragen wird hingegen eine schwankende Sauerstoffversorgung, z.B. bei einer Schlafapnoe, v.a. aber bei einer instabilen Durchblutung. Deshalb fokussieren wir uns auf dieser Webpage u.a. auf Ursachen einer instabilen Durchblutung.
Instabile Sauerstoffversorgung und Glaukom In dieser Übersichtsarbeit zeigen Konieczka et al. anschaulich, wie eine instabile Durchblutung zur instabilen Sauerstoffversorgung führt und der damit resultierende oxidative Stress die Astrozyten aktiviert. Aktivierte Astrozyten bilden unter anderem vermehrt Stickstoffmonoxid, welches in die benachbarten Axone hinein diffundiert. Wenn nun die Mitochondrien der Axone wegen der Sauerstoffschwankung vermehrt Superoxide bilden, dann fusioniert Stickstoffmonoxid mit Superoxid und bildet das sehr schädigende Peroxinitrat. Die Sauerstoffversorgung ist instabil, wenn entweder die Durchblutung oder die Sauerstoffsättigung des Blutes schwankt.
New insights in the pathogenesis and treatment of normal tension glaucoma Mozaffarieh et al. beschreiben in diesem Review den Zusammenhang zwischen den verschiedenen bekannten Risikofaktoren und der glaukomatösen Optikus-Neuropathie. Ist die Sauerstoffversorgung instabil, so werden die Mitochondrien in den Axonen des Sehnervenkopfes durch oxidativen Stress geschwächt. Die Energieversorgung wird schwächer und damit leidet u.a. auch der axoplasmatische Transport. Therapeutisch wird deshalb versucht, die Durchblutung möglichst zu stabilisieren und den nicht immer völlig vermeidbaren oxidativen Stress in den Mitochondrien u.a. durch eine antioxidative Ernährung zu reduzieren.
Is Vascular Regulation in the Central Retinal Artery Altered in Persons With Vasospasm? Gasser und Flammer hatten beobachtet, dass Patienten mit einem Normaldruckglaukom auf Kälte-Stimulation häufig mit Vasospasmen in den Fingern reagieren. Gherghel et al. zeigen in dieser Arbeit, dass Patienten mit solchen Vasospasmen eine veränderte Regulation in der Arteria centralis retina haben. Das erklärt, warum diese Patienten empfindlicher auf Augendruck- und / oder Blutdruck-Schwankungen reagieren. Das bedeutet, dass der Glaukom-Schaden in solchen Fällen nicht unbedingt nur eine direkte Folge von Vasospasmen sein muss, sondern vielmehr die Folge einer gestörten Autoregulation. Dies führt zur instabilen Augendurchblutung und damit zum Anstieg des oxidativen Stresses.