Augen- und Finger- Durchblutung

Es gibt einen Zusammenhang zwischen Fingerdurchblutung und Augendurchblutung. Das zeigt, dass die Ursache der Augendurchblutungsstörungen beim Glaukom nicht nur im Auge sein kann. Früher, als die Quantifizierung der Augendurchblutung noch kaum möglich war, wurde so bei Patienten von der Fingerdurchblutung indirekt auf die Augendurchblutung geschlossen. Im Nachhinein hat sich das auch als richtig erwiesen. Die Korrelation der Augendurchblutung mit der peripheren Durchblutung besteht aber nur bei Patienten mit einer vaskulären Dysregulation und nicht bei den anderen. Die Ursache dieser Korrelation ist die gestörte Autoregulation der Augendurchblutung bei Menschen mit einer primären vaskulären Dysregulation. Da man früher die Art Durchblutungsstörung am Finger leichter erkennen konnte als am Auge, hatten diese damaligen Studien entscheidend zum Verständnis beigetragen. So konnte mit Kälteprovokationen am Finger gezeigt werden, dass es sich bei den Durchblutungs-Störungen beim Glaukom vorwiegend um ein Problem der Regulation handelt.
The relationship between digital and ocular vasospazm Guthauser, Flammer und Mahler haben beobachtet, dass Patienten, die auf eine Kälteprovokation mit einem verlängerten Flussstillstand am Finger reagieren, auch eine vorübergehende Gesichtsfeldverschlechterung nach Kältestimulation zeigen. Damit konnten sie zeigen, dass die Veranlagung, mit Vasospasmen zu reagieren (z. B. auf Kälte), nicht nur die Finger, sondern auch die Augen betrifft. Schon damals postulierten die Autoren, dass das zur Entwicklung des Glaukom-Schadens beitragen kann. Diese Zusammenhänge wurden aber erst später endgültig bewiesen.
Relation between blood flow velocities in the ophthalmic artery and in nailfold capillaries Gasser und Mitarbeiter haben gezeigt, dass bei Glaukom-Patienten die Blutflussgeschwindigkeit in der Arteria ophthalmica mit der Blutflussgeschwindigkeit in den Nagelfalzkapillaren am Finger korreliert. Die Arteria ophthalmica ist die Arterie, welche sowohl das Auge wie auch seine Umgebung mit Blut versorgt. Dies belegt eindrücklich, dass es bei der Reduktion der Durchblutung beim Glaukom nicht oder nicht nur lokal im Auge vorkommt, sondern dass es sich vielmehr um ein systemisches, ganzheitliches Problem handelt.
Ocular blood flow alteration in glaucoma is related to systemic vascular dysregulation Emre und Coautoren haben bei 56 Patienten mit primärem Offenwinkelglaukom die Durchblutung in der Arteria ophthalmica, Arteria retinae centralis, in der Chorioidea und im Sehnervenkopf gemessen. Eine Clusteranalyse ergab zwei Gruppen. Der einzige unabhängige Parameter, welcher mit dieser Diskriminierung (Gruppierung) assoziiert war, war die Kälteantwort der Kapillaren in der Nagelfalz. Das bedeutet, dass die Veranlagung zur vaskulären Spasmen oder zu vaskulären Dysregulationen die Augendurchblutung entscheidend beeinflusst. Die Arbeit zeigt weiter, dass es bei der Störung der Durchblutung beim Glaukom weniger um eine Veränderung des Grundflusses geht, sondern um eine veränderte Antwort auf Stimuli.